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10.12.2020

Das Zeitalter des Glaubens. Aufstieg und Niedergang der uns vertrauten Form von Religion

Prof. Dr. Jan Assmann

Das „Zeitalter des Glaubens“ begann mit der Emanzipation der Religion vom Staat um 500 v.Chr. im frühen Judentum und begann zu verblassen mit der Emanzipation des Staates von der Religion im 18. und 19. Jh. Diese Geschichte behandelt der Vortrag aus dem Gesichtspunkt der Ägyptologie, die es mit einer Kultur zu tun hat, die dem Zeitalter des Glaubens vorausging und deren Wiederentdeckung seit der Renaissance zum Ende dieses Zeitalters beiträgt.

Jan Assmann ist Professor em. für Ägyptologie an der Universität Heidelberg und Professor für allgemeine Kulturwissenschaft an der Universität Konstanz. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Historikerpreis (1998), dem Sigmund- Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa (2016) und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (mit Aleida Assmann, 2018).

01.12.2020

Verschwörungstheorien: Charakteristika - Funktionen - Folgen

Prof. Dr. Michael Butter

Verschwörungstheorien sind derzeit in aller Munde und scheinbar überall. Doch was macht eigentlich eine Verschwörungstheorie aus, und warum glauben Menschen an sie? Haben Verschwörungstheorien in den letzten Jahren zugenommen, oder sind sie durch das Internet nur sichtbarer geworden? Kehren sie langsam in die Mitte der Gesellschaft zurück? Und warum sind sie unter den Anhängern der neuen populistischen Bewegungen so verbreitet? Ist das gefährlich für unsere Demokratie, und was kann man dagegen tun? Anhand aktueller und historischer Beispiele wird der Vortrag in das Wesen und die Wirkung des konspirationistischen Denkens einführen.

Michael Butter ist Professor für amerikanischen Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen. Er hat in Freiburg, Norwich und Yale Anglistik, Germanistik und Geschichte studiert, wurde 2007 in Bonn promoviert und habilitierte sich 2012 in Freiburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören neben Verschwörungstheorien die frühe amerikanische Literatur, der Hollywoodfilm und zeitgenössische Fernsehserien. Er koordiniert ein europäisches Netzwerk zur Erforschung von Verschwörungstheorien, an dem über 150 Wissenschaftler*innen aus 36 Ländern und mehr als einem Dutzend Disziplinen beteiligt sind. Im März 2018 erschien in der Edition Suhrkamp „Nichts ist, wie es scheint: Über Verschwörungstheorien“.

24.11.2020

Corona und die Folgen

Hanno Charisius und Berit Uhlmann (SZ-Wissen)

Die Corona-Pandemie ist größte und längste globale Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausbreitung des Virus ist nur schwer in den Griff zu bekommen; die gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen sind enorm. Weltweit versuchen zahlreiche Wissenschaftler, Impfstoffe oder zumindest Medikamente zu entwickeln. Wie ist der Stand der Forschung? Was müssen wir alle weiterhin gegen die Pandemie tun? Was können sich Politik und Wirtschaft leisten?

Hanno Charisius, Redakteur im Ressort Wissen, schreibt seit 2001 für die Süddeutsche Zeitung, studierte Biologie in Bremen, hat unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Zeit und brand eins gearbeitet und bei der Entwicklung der deutschen Ausgaben der Magazine Technology Review und Wired mitgewirkt.

Berit Uhlmann, schreibt als Redakteurin im Wissensressort vor allem über Gesundheitsthemen. Hat Public Health an der London School of Hygiene and Tropical Medicine sowie Germanistik und Romanistik in Bonn und Mailand studiert. Volontariat bei der Nachrichtenagentur ddp. Hält es für gesund, gut zu kochen und jeden Tag ein paar Seiten Literatur zu lesen.


Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung statt.

20.11.2020

Gerechtigkeit und Gesundheit - wie kann die Pharmaforschung allen zugutekommen?

Prof. Dr. Thomas Pogge

Arzneimittel gehören zu den größten Errungenschaften der Menschheit. Sie haben zu dramatischen Verbesserungen von Gesundheit und Langlebigkeit sowie zu enormen Kosteneinsparungen durch weniger Krankheitstage und Krankenhausaufenthalte beigetragen. Der globale Markt für Arzneimittel hat derzeit einen Wert von jährlich 1.430 Milliarden Dollar. Rund 800 Milliarden Dollar entfallen dabei auf Markenprodukte, die in der Regel patentgeschützt sind und dadurch sehr teuer verkauft werden können. Die Pharmaindustrie rechtfertigt ihre hohen Produktpreise durch die entstandenen Kosten bei der Forschung und Entwicklung der Arzneimittel. Für ärmere Gesellschaften sind diese hohen Preise oft nicht zu zahlen. Wie könnte eine Lösung aussehen, die einerseits der Industrie genügend Anreize gibt, Forschung zu betreiben und anschließend die Medikamente anschließend zu einem deutlich niedrigeren Preis anzubieten? Thomas Pogge stellt anhand des Health Impact Fund eine mögliche Lösung vor.

Thomas Pogge Professor für Philosophie und internationale Angelegenheiten (Philosophy and International Affairs) an der Yale University an. Er promovierte an der Harvard University bei John Rawls.

16.11.2020

Die chinesische Vergangenheit (und Zukunft?) der Naturwissenschaften

Prof. Dagmar Schäfer

Dass China die vier großen Erfindungen vor den Europäern kannte und beschrieb ist nicht erst seit den olympischen Spielen 2008 in aller Munde: Kompass, Papier, Schwarzpulver und Buchdruck (mit beweglichen Lettern). Wie China sich die Naturwissenschaften zu eigen gemacht hat und sich damit als moderne Nation etabliert und behauptet hat erforschen seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts Wissenschaftshistoriker. Dieser Vortrag stellt vor, wie China hierbei seine Wissenschaften entwickelte, wie diese Entwicklung als Gegenmodell der europäischen Entwicklung erst zum Forschungsschwerpunkt und dann zum Identitätsstifter und politischen Thema wurde, das das gegenwärtige China als Alternativmodell weltweit, aber besonders nach Asien und Afrika (den globalen Süden), exportiert.

Prof. Dagmar Schäfer ist eine international renommierte Sinologin. Sie ist derzeit Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. 2020 wurde sie mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut statt.

12.11.2020

Die Erfindung des (jüdischen) Essens: Popkultur, Ernährung, Identität

PD Dr. Caspar Battegay

Warum wurden in der Corona-Krise so viele Konserven, Mehl und Zucker gekauft - obwohl die Versorgungssicherheit nie gefährdet war? Offenbar weisen bestimmte Nahrungsmittel über ihren Nährwert hinaus auch kulturelle Werte auf: Essen kann solide wirken und Sicherheit suggerieren - oder zum „Soul Food" werden. Der französische Theoretiker Roland Barthes nannte die Ernährung ein „System der Kommunikation, ein Korpus von Bildern, eine Gebrauchsanordnung, ein System der Situationen und Verhaltensweisen“. Für Barthes ist das Essen ein Zeichen, das sich lesen lässt. Der Vortrag erläutert in einem ersten Schritt solche und andere theoretischen Annäherungen an das allgegenwärtige "Kulturthema Essen" (Alois Wierlacher). In einem zweiten Schritt werden wir danach fragen, warum jemand eine bestimmte Speise als „jüdisch“ wahrnimmt: Was ist an Pastrami, Bagels und gefillte Fisch jüdisch? Dabei werden wir auf popkulturelle Kontexte, aber auch auf Gegenwartsliteratur eingehen.

PD Dr. Caspar Battegay ist Lehrbeauftragter am Fachbereich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Basel. Seit 2015 ist er Mitglied der Jungen Akademie

29.10.2020

Wandel' Dich, nicht das Klima

Prof. Gerhard Reese

Der Klimawandel gilt gemeinhin als eine der großen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht. Um den Klimawandel abzumildern und die Konsequenzen des Klimawandels abfedern zu können, bedarf es kollektiver Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Jede/r Einzelne ist gefragt - und kann auch antworten! In diesem Vortrag soll es darum gehen, wie unser alltägliches Handeln und Nichthandeln zum Klimawandel beiträgt und welche psychologischen und gesellschaftlichen Mechanismen uns motivieren, etwas zu ändern.

Prof. Gerhard Reese ist Leiter des Studiengangs "Mensch und Umwelt: Psychologie, Kommunikation, Ökonomie" an der Universität Koblenz-Landau

21.10.2020

Sapiens. Der Aufstieg - Yuval Noah Harari im Gespräch

Yuval Noah Harari

            

Wie haben wir, Homo Sapiens, es geschafft, den Kampf der sechs menschlichen Spezies ums Überleben für uns zu entscheiden? Warum ließen unsere Vorfahren, die einst Jäger und Sammler waren, sich nieder, betrieben Ackerbau und gründeten Städte und Königreiche? Warum begannen wir, an Götter zu glauben, an Nationen, an Menschenrechte? Warum setzen wir Vertrauen in Geld, Bücher und Gesetze und unterwerfen uns der Bürokratie, Zeitplänen und dem Konsum? Und hat uns all dies im Lauf der Jahrtausende glücklicher gemacht?

Auf diese Fragen wird Yuval Noah Harari Antworten geben. Harari lehrt Geschichte an der Hebrew University in Jerusalem mit einem Schwerpunkt auf Weltgeschichte. Seine Bücher „Eine kurze Geschichte der Menschheit", „Homo Deus“ und „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ sind Weltbestseller und wurden in fast 60 Sprachen übersetzt. Im Oktober erscheint Yuval Noah Hararis in Zusammenarbeit mit David Vandermeulen geschriebene und von Daniel Casanave gezeichnete Graphic Novel „Sapiens. Der Aufstieg“ im Verlag C.H.Beck 2020.

Weitere Informationen zur Neuerscheinung im Verlag C.H.Beck am 23.10.2020 finden Sie hier: Graphic Novel „Sapiens. Der Aufstieg“.

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache und in Kooperation mit dem Goethe-Institut und dem Schweizerischen Institut für Auslandforschung statt.

23.04.2020

Die Biologie der glücklichen Liebe: Alles Evolution - oder könnten wir auch ganz anders?

Prof. Dr. Thomas Junker

Die romantische Liebe ist einer der großen Mythen unserer Zeit. Sie wird verehrt und verdammt, sie kann quälende Eifersucht und tiefste Verzweiflung, aber auch höchstes Glück bedeuten, Freundschaften zerstören und moralische Systeme hinwegfegen.

Woher kommt die Macht der Sexualität und der Liebe? Im Vortrag werde ich berichten, wie sich das Liebesleben der Menschen und ihre sexuellen Vorlieben aus biologischer Sicht verstehen lassen. Warum beispielsweise haben wir sehr viel häufiger und sehr viel spielerischer Sex, als es zur Fortpflanzung nötig ist? Und was lässt sich zur Vielfalt der Beziehungsformen sagen? Können wir tatsächlich frei entscheiden, wann, wie und wen wir begehren? Vielleicht ist die Zweierbeziehung ja wirklich die beste Form menschlichen Zusammenlebens -  vielleicht aber auch nicht. Einigermaßen sicher wird man das erst beantworten können, wenn man sie möglichst unvoreingenommen mit konkurrierenden Modellen - dem Singleleben, der Polygamie, der Polyamorie und anderen - verglichen hat.

Prof. Dr. Thomas Junker lehrt Geschichte der Biowissenschaften an der Universität Tübingen. Von 1992-1995 war er Mitherausgeber von Darwins Briefwechsel in Cambridge (England). Er hat zahlreiche Bücher und Artikel zur Geschichte und Theorie der Evolutionsbiologie und Anthropologie veröffentlicht.

In den aktuellen wissenschaftlichen und weltanschaulichen Kontroversen hat er sich öffentlichkeitswirksam und engagiert für die Vermittlung evolutionsbiologischer Kenntnisse eingesetzt.

Eine Veranstaltung aus der Reihe vhs.wissen live SPEZIAL.

01.04.2020

Sport – eine kulturwissenschaftliche Betrachtung aus nicht nur männlicher Perspektive

Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht

Worin besteht die Faszination des Sports? Ist es die extreme körperliche Leistung, der spannenden Wettbewerb oder gar die Sehnsucht nach Schönheit und Vollendung, die uns zu Bewunderern von Ausnahmesportlern macht? Ist das Sport-Sehen vielleicht sogar eine Sucht?

Hans Ulrich Gumbrecht erhielt mit 26 Jahren eine Professur an der Universität Siegen. Seit 1989 ist er Professor für Literaturwissenschaften an der Universität Stanford. Seine Werke wurden in 20 Sprachen übersetzt.